Konsensverfahren

In unserer kurzen und knappen Satzung (Download hier) ist das Konsensverfahren festgehalten. Konsens soll man nicht mit Einstimmigkeit verwechseln. Es wird nicht abgestimmt im parlamentarischen Sinn. Es wird viel mehr nach den inhaltlichen Bedenken gefragt, die jede Einzelne und jeder Einzelne hat. Jede Stimme hat dabei das gleiche Gewicht = ist gleich wichtig, denn alle sollen sich wohl fühlen können. Darum gewichten alle ihre Stimme und dürfen bei ganz starker Ablehnung die gesamte Gruppe blockieren.

Da gibt es dann verschiedene Stufen der Zustimmung / Ablehnung:

  1. Volle  Zu­stim­mung: die Per­son stimmt mit ja, und trägt die Ent­schei­dung voll mit.
  2. Eingeschränkte Zu­stim­mung: die Per­son trägt die Ent­schei­dung mit, äu­ßert aber Be­den­ken. Keine Op­ti­ma­le Lö­sung, steht den Be­dürf­nis­sen aber nicht im Weg.
  3. Ent­hal­tung: Per­son ent­hält sich, über­lässt die Ent­schei­dung den an­de­ren und trägt diese mit.
  4. Eingeschränkte Ab­leh­nung: Per­son stimmt nicht zu, äu­ßert aber ernste Be­den­ken, sie ist aber einverstanden, wenn die Grup­pe das trotz­dem macht, aber ohne ei­ge­ne aktive Be­tei­li­gung. Die Person ver­zich­tet auf ein Veto, um Ent­schei­dungs­fä­hig­keit nicht zu blo­ckie­ren.
  5. Bei­sei­te ste­hen: Per­son kann weder zu­stim­men noch mit­tra­gen und stellt sich zur Seite.
  6. Veto: Ent­schei­dung kann unter kei­nen Um­stän­den mit­ge­tra­gen wer­den, Ent­schei­dung wird (ver­ant­wor­tungs-​)be­wusst blo­ckiert. Es ist kein Kon­sens er­zielt.

Ganz streng genommen ist der Konsens nicht erreicht, wenn eine skeptische Person die Ablehung Nr. 6, das Veto, wählt. In einem Wohnprojekt ist es wohl angebracht schon bei den Ablehnungen 4 und 5 noch einmal einen Versuch zu machen, die geäußerten Bedenken in die Lösung zu integrieren. Das ist die Stufe 4 im Entscheidungsprozess.

Ablauf des Entscheidungsprozesses:

  1. Was liegt an und warum? (Diskussion im Plenum)
  2. Genaue Frage formulieren. (Moderation)
  3. Die Runde (alle kommen je 1x zu Wort):
    Bedürfnisse, Wünsche, Ängste benennen
  4. Brainstorming (durcheinander brabbeln)
    Ideen zur Lösung
  5. Diskussion der Lösungsvorschläge
    Konsensvorschlag rausarbeiten
  6. Die Runde (alle kommen je 1x zu Wort):
    Zustimmung? Ablehnung? Veto?
  7. Konsensfeststellung (Moderation)
    Wenn ja, dann Hurra!
    Wenn nein, gehe zu 4.

Ziel des Konsensverfahrens ist es, niemanden in die verflixte Lage zu manövrieren, dass er oder sie aussteigen muss. Die Runde ist dabei heilig! Da darf nicht dazwischen gebrabbelt werden, darauf muss die Moderation streng achten. Schließlich braucht man Mut, um der Mehrheit zu widersprechen.